Unser Team ist bei einem Clean Up am Strand.

Costa Rica: Sieben Tage zwischen Regenwald, Ozean und einer Mission

Es gibt Länder, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahne schreiben. Und es gibt Costa Rica. Mehr als 98 Prozent des Stroms im Land stammen aus erneuerbaren Quellen wie Wasser, Geothermie, Wind, Biomasse und Sonne, ein Wert, von dem die meisten Industrienationen nur träumen können. Über 25 Prozent der Landesfläche stehen unter Naturschutz, mehr als 57 Prozent sind bewaldet. Costa Rica ist damit das erste tropische Land, dem es gelungen ist, die Entwaldung umzukehren. Und obwohl das Land weniger als 1 Prozent der Erdoberfläche einnimmt, beherbergt es 6,5 Prozent der weltweiten Artenvielfalt, mehr biologische Vielfalt auf kleinstem Raum als fast überall sonst auf der Welt.

Für uns bei BRACENET sind das keine Zahlen, die man einfach liest und wieder vergisst. Es sind Zahlen, die genau erklären, warum Meeresschutz, Kreislaufwirtschaft und Zusammenarbeit vor Ort für uns so wichtig sind. Ein Land, das konsequent beweist, dass Wirtschaft und Naturschutz sich nicht ausschließen müssen, ist genau der Ort, an dem wir lernen wollten, wie diese Balance in der Praxis aussieht. Als die Einladung von dem Costa Rica Tourism Board kam, einmal selbst zu sehen, was im Land in Sachen Nachhaltigkeit passiert, war klar: Diese Reise wollten wir nicht verpassen.

Vier Uhr morgens, Hamburg, der Wecker klingelt. Wer schon einmal um diese Uhrzeit einen Koffer gepackt hat, weiß, das ist keine Entscheidung, die man im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte trifft. Trotzdem schnappten wir uns unser Gepäck und machten uns auf den Weg: mit dem Zug nach Frankfurt, dann im Direktflug nach San José. Zwölf Stunden später standen wir mitten in einem Land, das uns die nächste Woche ziemlich gründlich den Kopf verdrehen sollte, und wir wussten in diesem Moment noch nicht, wie viele Menschen wir treffen würden, deren Arbeit uns in Hamburg noch lange beschäftigen sollte.

Die erste Nacht im Studio Boutique Hotel San José diente einem Zweck: schlafen, bevor am nächsten Morgen die Reise Richtung Pazifikküste losging.

Tag Eins - Tárcoles und Playa Blanca

Der erste Stopp führte uns nach Tárcoles, einen kleinen Fischerort, in dem wir MareBlu kennenlernten. Die gemeinnützige Organisation hat sich dem Schutz von Costa Ricas Küsten und Meeren verschrieben, mit Cleanup Expeditionen, künstlichen Riffen und einem eigenen Upcycling Zentrum, in dem gesammelter Plastikmüll direkt vor Ort zu neuen Produkten verarbeitet wird. Genau diese Art von Arbeit ist es, die wir bei BRACENET seit Jahren selbst mit alten Fischernetzen machen, und so fühlte sich das erste Treffen weniger wie ein Kennenlernen an, sondern eher wie das Wiedersehen mit Gleichgesinnten, nur eben mehrere tausend Kilometer von Hamburg entfernt.

Mit der  Jungle Crocodile Safari ging es auf den Río Tárcoles, Heimat des größten Krokodils Zentralamerikas, gut fünfeinhalb Meter lang. Was uns sofort auffiel: Hier wird nicht gefüttert und nicht angefasst, nur beobachtet. Die Tiere haben Namen, werden an ihren Merkmalen erkannt und wie Nachbarn behandelt, nicht wie Fotomotive, eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit der Natur, die uns direkt am ersten Tag gezeigt hat, wie tief Respekt vor der Umwelt hier verankert ist.

Weniger schön war der Blick auf eine kleine Landzunge, an der sich zwischen Treibholz und Ästen jede Menge Plastik gesammelt hatte, angespült aus der Metropolregion San José. Jerónimo von MareBlu erzählte uns bei einer Pause auf dem Boot, dass seine Organisation seit 2018 rund 400 Tonnen Müll allein aus diesem einen Fluss gezogen hat, eine Zahl, die uns beiden kurz den Boden unter den Füßen wegzog. 400 Tonnen aus einem einzigen Fluss bedeuten, dass Meeresschutz nicht am Strand aufhört, sondern schon kilometerweit im Landesinneren beginnt. Wir packten kurz mit an, dann ging es zurück aufs Wasser, diesmal mit einem noch klareren Blick für die Krokodile und für das, was unter der Oberfläche eigentlich passiert.

Den Nachmittag ließen wir am Playa Blanca ausklingen, direkt vor dem  Punta Leona Beach Club & Nature Resort. Kaum im Wasser, verschwanden wir zwischen Fischschwärmen. MareBlu hat hier künstliche Riffe angelegt, Beton Konstruktionen, die auf den ersten Blick wenig einladend klingen, inzwischen aber komplett von Triggerfischen, Rifffischen und Korallen übernommen wurden. Zwischen Seepferdchen und Krokodil Skulpturen hat sich so viel Leben angesiedelt, dass wir live miterleben konnten, wie schnell sich ein Lebensraum erholt, wenn man ihm die richtigen Grundlagen dafür gibt.

Tag Zwei - Hotel Arenas del Mar und Playa Espadilla

Am nächsten Tag ging es in das Arenas del Mar Beachfront & Rainforest Resort. Ehrlich gesagt hatten wir den Satz "nachhaltig geführtes Hotel" schon oft genug gehört, um erstmal skeptisch zu bleiben. Dann standen wir auf elf Hektar privatem Naturreservat, von dem das Hotel selbst weniger als ein Viertel nutzt. Der Rest ist biologischer Korridor für Affen, Faultiere, Pumas und Ozelots, die zwischen den umliegenden Nationalparks hin und her wandern. Vor 20 Jahren war hier noch eine schlichte Ziegenweide, heute wachsen über 7.000 einheimische Bäume, ein Beweis dafür, wie schnell sich Natur zurückholen lässt, was ihr einmal genommen wurde, wenn man ihr nur die Zeit dafür gibt.

Stromleitungen liegen unterirdisch, damit die Tiere nicht gestört werden. Manche Dächer lassen Bäume einfach durchwachsen, statt sie zu fällen. Zweimal im Monat zieht das Hotelteam ehrenamtlich los, um einen Wanderweg im Nationalpark und den dazugehörigen Strandabschnitt zu pflegen. Sogar Wasser und Bier werden vor Ort produziert, natürlich in Glasflaschen, damit gar nicht erst unnötige Transportwege entstehen. An dieser Stelle mussten wir kurz innehalten und zugeben: Das hier ist kein Greenwashing, das ist einfach nur konsequent zu Ende gedacht. Und genau diese Konsequenz ist es, die wir auch von unseren eigenen Partnerschaften erwarten und die uns daran erinnert hat, an welchen Stellen wir bei BRACENET selbst noch konsequenter werden können.

Danach ging es an den Strand, der an das Naturreservat Manuel Antonio grenzt. Eigentlich war nur die Aussicht geplant, am Ende halfen wir stattdessen dabei, kleine Kaulquappen einzusammeln, die immer wieder von den Wellen erfasst wurden. Kleine, spontane Momente wie dieser waren es, die auf dieser Reise oft mehr erzählten als jedes geplante Programm, weil sie zeigten, wie schnell man vom Beobachten ins Handeln kommt, wenn man einmal genau hinschaut. Nach der kleinen Rettungsaktion nutzte Benjamin die Gelegenheit und ging bei einer der vielen Surfschulen vor Ort noch eine Runde surfen.

Tag Drei - Das große Cleanup

Am nächsten Morgen wurde es dann wirklich anstrengend. Gemeinsam mit MareBlu und weiteren Organisationen und Unternehmen stand ein großes Cleanup an, früh am Morgen, weil sich 35 Grad Hitze und Müllsammeln einfach nicht gut miteinander vertragen. Nach anderthalb Stunden war tatsächlich Schluss, mehr ließ die Hitze nicht zu.

Was in dieser kurzen Zeit trotzdem zusammenkam, war beeindruckend: über 400 Kilogramm Plastik, alte Fischernetze und Autoreifen, Dinge, bei denen man sich ernsthaft fragt, wie sie überhaupt an diesen Strand gelangt sind. Für uns war das noch einmal ein sehr direkter Beweis dafür, warum die Arbeit mit Geisternetzen kein Nischenthema ist, sondern ein Problem, das an jeder Küste sichtbar wird, sobald man genau hinschaut, egal ob in der Nordsee oder am Pazifik.

Trotzdem hatte der Tag etwas unglaublich Positives. Überall wurde gemeinsam angepackt, Menschen kamen miteinander ins Gespräch, und wir merkten, wie viel möglich ist, wenn viele gleichzeitig mithelfen. Das ist vielleicht das größte Learning dieses Tages: Meeresschutz ist kein Ein Personen Job und auch kein Ein Firmen Job, er funktioniert nur als Netzwerk aus Menschen, die an unterschiedlichen Stellen desselben Problems arbeiten. Nach getaner Arbeit gab es ein gemeinsames Mittagessen, ein paar kurze Ansprachen und Zeit zum Austauschen.

MareBlu zeigte uns anschließend noch das Gelände, auf dem künftig ein Recyclingzentrum entstehen soll. Der gesammelte Müll soll dort nicht einfach auf weiteren Deponien landen, sondern sortiert und weiterverarbeitet werden, Teile des geplanten Gebäudes sollen sogar aus eingeschmolzenem Plastik entstehen.

Für uns war dieser Tag mehr als ein Cleanup. Er war der Moment, in dem klar wurde, dass die Zusammenarbeit mit MareBlu weitergehen wird, und dass auch die ersten Netze aus Costa Rica früher oder später ihren Weg in unsere eigene Produktion finden werden.

Tag Vier - Caldera Port und Puntarenas

Bei der costa ricanischen Küstenwache im Caldera Port ging es um Kontrollen, Schutzgebiete und Fangzeiten. Und dann kam der Satz, der uns gleichzeitig aufschauen ließ: Beschlagnahmte Fischernetze werden dort nicht entsorgt, sondern recycelt, unter anderem zu Bänken oder Baumaterial. Für zwei Menschen, die genau das beruflich mit Geisternetzen machen, fühlte sich das an, als würden wir am anderen Ende der Welt Familie treffen. Es war einer dieser Momente, in denen man merkt, dass die eigene Arbeit Teil einer viel größeren Bewegung ist, auch wenn man das im Alltag im Büro in Hamburg nicht immer spürt.

Weiter ging es nach Puntarenas, wo sofort spürbar war, wie sehr der Ort am Meer hängt. Boote im Hafen, Fischer, die ihre Netze für den nächsten Tag vorbereiten, reges Treiben überall.

Gestärkt bei Isla Coco's Bar and Grill ging es zur Bootstour durch die Mangroven, Wälder, die gleichzeitig Kinderstube für unzählige Tierarten, natürlicher Wasserfilter und Küstenschutz sind. Je enger die Wasserwege wurden, desto stiller wurde es an Bord. Eine ortsansässige Delfinfamilie mit frischem Nachwuchs ließ sich zwar nicht blicken, aber Costa Rica hatte uns bis dahin schon mehr Tiere gezeigt, als wir für möglich gehalten hätten.

Diese Tour bleibt allerdings auch aus einem anderen Grund in Erinnerung, und der gehört genauso ehrlich in diesen Artikel wie alle schönen Momente. Benjamin ging es an diesem Tag wegen eines Sonnenstichs nicht besonders gut, musste aber trotzdem mit aufs Boot. Tapfer, wie er ist, kämpfte er sich durch und konnte den Tag trotzdem noch ein bisschen genießen, eine kleine Erinnerung daran, dass so eine Reise eben auch anstrengend sein darf und nicht nur aus perfekten Postkartenmomenten besteht.

Tag Fünf - MareBlu und Parque Nacional Carara

Bevor es in den Parque Nacional Carara ging, stand noch ein letzter, emotionaler Besuch bei MareBlu an. Abschied nehmen, das aktuelle Camp anschauen, gemeinsam Bracenets basteln, über die Zukunft der Zusammenarbeit sprechen. Es war der Moment, in dem aus einer Reise ganz konkret eine Partnerschaft wurde, mit Menschen wie Jerónimo und Pau, deren tägliche Arbeit wir künftig noch näher begleiten wollen, und deren Einsatz uns gezeigt hat, wie viel ein einzelnes, gut vernetztes Team an einer einzigen Küste bewegen kann.

Weil wir spät dran waren, ließ man uns netterweise trotzdem noch kurz vor Schließung in den Park hinein. Programm brauchte es dort keines mehr, nur durch den Regenwald laufen, ständig nach oben schauen, so viele Tiere wie möglich entdecken. Giftpfeilfrösche, Brüllaffen, Bunthörnchen, Gürteltiere, Helmbasilisken, Leguane, Tukane und ganze Ameisenstraßen kreuzten unseren Weg, mal laut, mal fast unsichtbar, wenn man nicht genau genug hinschaute.

Und weil vom Regenwald offenbar noch nicht genug da war, ging es kurzerhand, spontan und ohne Guide, noch einmal in Punta Leona in den Wald hinein. In die Dunkelheit, obwohl durchaus davon abgeraten wurde. Keine zehn Minuten später standen wir der größten Spinne gegenüber, die wir je gesehen hatten. Die Lehre daraus: Spinnen gehören offiziell nicht zu unseren Lieblingstieren, und Ratschläge von Einheimischen sollte man vielleicht einfach befolgen. Mit mehr Zeit wären wir trotzdem sicher noch deutlich länger durch den Regenwald gewandert.

Tag Sechs - Die Wasserfälle 

Zum Abschluss ging es mit Costa Rica Waterfall Tours durch den Regenwald zu den Wasserfällen, vorbei an Teak Bäumen mit rötlichem Saft und Farnen, die beim Berühren tattooähnliche Abdrücke hinterlassen.

Am Wasserfall angekommen, musste natürlich gesprungen werden. Benjamin von der 30 Fuß Plattform, eine Entscheidung, die zu Hause später nicht für ungeteilte Begeisterung sorgte. Marthe von der deutlich entspannteren 12 Fuß Variante. Die 50 Fuß Plattform ließen wir, in Einigkeit, lieber aus. Kleine Mutproben wie diese haben uns noch einmal daran erinnert, dass Nachhaltigkeit für uns kein reines Businessthema ist, sondern etwas, das man auch mit echter Freude an der Natur erleben sollte.

Den restlichen Tag verbrachten wir mit Packen, was bei einem Koffer voller Bracenets, Muster und mittlerweile ziemlich viel Sand eine kleine logistische Herausforderung war.

Tag Sieben - San José

Die Rückreise ging zurück nach San José, wo wir uns vor dem Rückflug noch mit Vertreterinnen von dem Costa Rica Tourism Board zum Mittagessen bei Sr y Sra Ese trafen und die Woche gemeinsam Revue passieren ließen. Ein passender Abschluss für eine Reise, die von Anfang an von genau dieser Art Austausch geprägt war, zwischen Menschen, Organisationen und Unternehmen, die alle am selben Ziel arbeiten.

Danach ging es zum Flughafen, und mit jedem Meter Richtung Gate wurde uns klarer, wie viel in diese sieben Tage gepasst hatte. Krokodile aus nächster Nähe, Faultiere in freier Wildbahn, Mangroven, Wasserfälle, ein Cleanup mit 400 Kilo Beute, ein Riff, das längst ein selbstverständlicher Teil des Ökosystems geworden ist, und so viele Menschen, die mit einer Selbstverständlichkeit an ihrer Umwelt arbeiten, die uns noch lange begleiten wird.

Genau diese Selbstverständlichkeit ist es, die wir aus Costa Rica mitgenommen haben. Nicht als schönes Reiseerlebnis, sondern als Ansporn für unsere eigene Arbeit bei BRACENET, als Bestätigung, dass Meeresschutz nur im Zusammenspiel aus Menschen wie Jerónimo und Pau, Organisationen wie MareBlu und Unternehmen wie uns funktioniert.

Als kleines Andenken an diese Reise entsteht deshalb schon bald eine eigene Costa Rica BRACENET Edition, die genau diese Verbindung sichtbar machen soll, die Schönheit des Landes und die Menschen, die es jeden Tag schützen. Wer nicht so lange warten möchte, kann schon jetzt an unserem gemeinsamen Gewinnspiel teilnehmen und sich eines von 25 exklusiven Exemplaren sichern.

Pura Vida, und ganz ehrlich: Ein paar Tage mehr hätten wir problemlos verkraftet.

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