Wie meine Reise nach Florenz unsere Italien Kollektion inspirierte
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Vor fast genau einem Jahr stand ich in Florenz vor Torre di Bellosguardo, dem Turm, in dem meine Ururgroßtante Walburga Gräfin von Hohenthal spätere Lady Paget fast dreißig Jahre ihres Lebens verbracht hat. Eigentlich hatte ich nicht erwartet, dass diese Reise etwas mit Bracenet zu tun haben würde.

Ich war nach Florenz gekommen, um den Spuren einer Frau zu folgen, die mehr als hundert Jahre vor mir durch dieselben Gärten spaziert war, dieselben Hügel betrachtet und dieselben Sonnenuntergänge über der Toskana erlebt hatte. Doch je tiefer ich in ihre Geschichte eintauchte, desto mehr verstand ich, warum sie mich so faszinierte.
Wally war vieles: Diplomatenfrau, Autorin, Hofdame im Buckingham Palace bei Pricess Royal Victoria, Gastgeberin der politischen Elite und Netzwerkerin. Aber vor allem war sie jemand, der den Mut hatte, sich gegen den Zeitgeist zu stellen. Nicht nur jemand, sondern auch noch eine Frau zu einer Zeit, als dies als sehr töricht galt.

Zu einer Zeit, als kaum jemand über Tierschutz sprach, setzte sie sich öffentlich gegen Tierquälerei ein. Sie schrieb über vegetarische Ernährung, lange bevor das gesellschaftlich akzeptiert war, veröffentlichte ein Buch über Vegetarismus und engagierte sich gegen das Blenden von Singvögeln. Besonders beeindruckt hat mich eine Geschichte aus ihrem Tagebuch: Wally stürmte das Büro des Papstes, um eine Audienz zu erhalten und gegen Vivisektionen (operieren an Tieren ohne Narkose) zu protestieren. Nicht, weil es bequem war. Nicht, weil es populär war, sondern weil sie überzeugt war, dass es nicht richtig war. Damit verstieß sie gegen jede Etikette und es war ihr wichtig.
Während ich durch Florenz lief und ihre Tagebücher las, wurde mir bewusst, dass viele der Themen, die mich heute antreiben, gar nicht so weit von ihren entfernt sind. Der Wunsch, Verantwortung zu übernehmen und Dinge zu hinterfragen. Und für etwas einzustehen, auch wenn es nicht immer der einfachste Weg ist.

In meinem Gepäck befanden sich damals die ersten Prototypen unserer Bracenet Charms. Noch unfertig. Noch weit entfernt von den Designs, die ihr heute kennt (auf dem Bild erkennt man den angesprühten Prototypen ganz gut). Doch genau dort entstand ein Gedanke, vielleicht besteht unsere Geschichte nicht nur aus Geisternetzen. Vielleicht dürfen die Dinge, die wir erschaffen, auch andere Geschichten erzählen. Vielleicht müssen sie es sogar, um auch Menschen anzusprechen, die nicht in unserer Bubble leben.

Geschichten über Menschen, die uns inspirieren und über Orte, die uns prägen. Über wichtige Werte, die auch manchmal Generationen überdauern, oder sogar neu aufleben. Und deshalb dachte ich vielleicht, muss auch nicht jeder Anhänger ein Fisch sein, vielleicht darf ein Charm auch ein Gefühl oder eine Erinnerung transportieren.

Die Italien Anhängern geben mir Gefühl von einem Sommerabend mit der salzigen Luft am Mittelmeer, wenn ich sie betrachte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich allerdings noch keine Ahnung, wie viel Arbeit zwischen dieser Idee und dem fertigen Produkt liegen würde. Die Medusa, die am dunkel blauen Sizilien Fischernetz hängt, begann nicht als perfekt gezeichnetes Schmuckstück. Sie begann eher als spontane Idee.

Ich habe nach tagelanger Recherche einen Anhänger gefunden, der von der Größe immerhin perfekt war. Ich habe die Medusa die wirklich nicht annähernd eine war, mit Goldspray angesprüht und versucht herauszufinden, wie man aus einem Gedanken einen perfekten Charm macht, den man tatsächlich tragen möchte. Eine Medusa die italienisch aussieht und der Bedeutung gerecht wird. Die Medusa gilt heute oft als Symbol für Stärke, Schutz und Transformation. In der Antike wurde ihr Gesicht auf Gebäuden, Schilden und Schmuck getragen, um Unheil abzuwehren. Gerade in Süditalien und auf Sizilien begegnet man ihr bis heute immer wieder, als Erinnerung daran, dass selbst aus schwierigen Geschichten Kraft und Schönheit entstehen können.

Es folgten unzählige Nachrichten, Skizzen, Muster, Änderungen, neue Muster, weitere Änderungen und Diskussionen über Größen, Formen, Oberflächen und Details. Wie groß dürfen die Schlangen sein? Wie filigran kann man sie überhaupt produzieren? Wie sieht die Rückseite aus? Matt oder glänzend? Gold oder Silber? Welche Öse? Welche Struktur?
Jedes Mal dachte ich, jetzt sind wir fertig. Und jedes Mal fiel mir noch etwas auf. Wer schon einmal ein Produkt entwickelt hat, weiß: Die letzten zehn Prozent kosten oft neunzig Prozent der Nerven. Heute sehe ich die fertigen Anhänger am Netz und muss manchmal über die ersten Prototypen schmunzeln. Gleichzeitig liebe ich genau diesen Weg dorthin. Denn hinter jedem einzelnen Anhänger steckt nicht nur eine Idee, sondern ein ganzes Jahr voller Gedanken, Entscheidungen, Zweifel und Begeisterung.
Diese folgende getöpferte Version war meine Inspiration. Nah genug an der Flagge und doch selbstgemacht.

Eine Kollektion, die ihre Wurzeln zwischen alten Tagebüchern, mediterranen Landschaften und den Gassen von Florenz hat. Eine Kollektion, die Vergangenheit und Gegenwart in der Torre di Bellosguardo verbunden hat. Und die daran erinnert, dass Inspiration manchmal dort entsteht, wo wir den Geschichten der Menschen zuhören, die vor uns gekommen sind.

Fast ein Jahr später ist es nun endlich so weit. Und für mich persönlich nicht nur das schönste Bracenet welches wir je hatten, sondern auch ein kleines Stück Florenz und die Energie meiner Ururgroßtante für den Meeresschutz den ich jetzt immer als Talisman dabeihabe.
From the Mediterranean Sea, with Love.
Eure Madeleine